Der Karpfen (Cyprinus carpio) ist eine Fischart aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae).
Zu dieser Fischgruppe gehören etwa 2500 Arten.

Herkunft und Verbreitung

Ursprünglich stammt der Karpfen aus Asien, die Römer brachten ihn nach Europa.
Im Mittelalter wurden Karpfen zunehmend in Teichen gehalten - der Karpfen ist deswegen wesentlicher Bestandteil der Esskultur des Mittelalters.
Der Besatz von Teichen mit Karpfen war teils eine Nebennutzung, weil die Teiche vor allem der Wasserrückhaltung dienten, um Mühlen anzutreiben.
Wegen der umfangreichen christlichen Speisegebote, die an bis zu 150 Fastentagen keinen Verzehr von Fleisch erlaubten, entwickelte sich aber auch eine gezielte Teichwirtschaft, um Süßwasserfische für die Fastenzeit heranzuziehen.
Es ist nicht sicher, welche Faktoren dazu beigetragen haben, dass Karpfen nach dem Jahre 1000 auch in Zentral- und Westeuropa vorkamen.
Die Klimaerwärmung in der Übergangsphase vom Früh- zum Hochmittelalter kann dazu beigetragen haben, dass sich diese Fischart natürlich ausbreitete.
Der Ethnologe Brian Fagan hält es für wahrscheinlicher, dass Mönche und Nonnen diese Fischart gezielt einführten, um ihre Ernährung während der Fastenzeit abwechslungsreicher zu gestalten.
[1]
Karpfen gedeihen auch in Wasser mit einem niedrigen Sauerstoffgehalt und sind daher prädestiniert für eine Zucht in flachen Teichen.
Einzelne Klöster und Adelige besaßen zum Teil sehr weitläufige Teichwirtschaften, in denen diese Fische für die Fastenzeit herangezogen wurden.
Die Spuren dieser Teichanlagen prägen bis heute Teile der europäischen Landschaft und sind Indiz für die Bedeutung von Süßwasserfischen in der mittelalterlichen Ernährung.
So finden sich beispielsweise in der Umgebung des Klosters Maulbronn noch die Spuren von rund einem Dutzend großer Fischteiche.
[2]
Die 400 Quadratkilometer an Teichanlagen rund um das böhmische Trebon, deren Anlage im Mittelalter begann, dienen bis heute der Karpfenzucht.

In Deutschland gibt es zahlreiche Karpfenzuchtbetriebe, besonders in der Oberlausitz nördlich von Bautzen, in Franken im Aischgrund (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, Landkreis Erlangen-Höchstadt), in der mittleren Oberpfalz im Landkreis Schwandorf und im Landkreis Amberg-Sulzbach, im Oberpfälzer Stiftland (Landkreis Tirschenreuth) sowie in Peitz, unweit von Cottbus und in Reinfeld in Holstein.

Das größte für die Karpfenzucht wirtschaftlich genutzte Teichgebiet Europas ist die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, deren 335 Teiche fast zehn Prozent der 30.000 Hektar einnehmen. Der größte Karpfenteich (Schwarzenberg-Teich mit ca. 260 ha Fläche) liegt aber im südböhmischen Karpfenteichgebiet bei Třeboň (deutsch: Wittingau).
Dieses Gebiet hängt geografisch mit dem österreichischen Teichgebiet im Waldviertel zusammen.
Wichtige österreichische Karpfengebiete liegen ferner in der südlichen Steiermark und im südlichen Burgenland.

Größere Bedeutung hat die Karpfenteichwirtschaft auch in Polen, Ungarn, Slowenien und Kroatien sowie in Israel und weiten Teilen Asiens.

Lediglich in Australien ist das Züchten und Aussetzen von Karpfen gesetzlich verboten.
Australien versucht den Karpfen als Schädling der einheimischen Fauna durch ein Programm auszurotten, bei dem genetisch veränderte Karpfen ausgesetzt und in die verwilderten Populationen eingekreuzt werden, die bewirken sollen, dass letztlich alle Karpfen männlich bleiben (wie sie es von Natur aus im Brütlingsstadium sind) und den Entwicklungsschritt zur Umwandlung in weibliche Tiere nicht mehr vollziehen können.

Karpfen sind beliebte Speisefische, in Deutschland und Österreich insbesondere zu Weihnachten und Silvester.
Ein großer Teil der Produktion aus der Teichwirtschaft geht deshalb in den Markt für Speisefische.
Einen wesentlichen Anteil hat aber auch die Erzeugung von Satzfischen für die Angelfischerei in freien Gewässern.

Karpfen werden im warmen, flachen Süßwasser gesetzt, wie etwa in Teichen, Baggerseen und langsam strömenden warmen Bereichen von Flüssen.
Sie gehen sogar bis in die Brackwasserregion der großen Ströme.
Als Friedfisch ernährt sich der Karpfen als Brütling von Zooplankton, später hauptsächlich von am Boden lebenden Kleinlebewesen wie Insektenlarven, Schnecken und Würmern.
In Spanien wurde jedoch beobachtet, dass vor allem Großkarpfen teilweise auch temporär räuberisch leben und kleinere Weißfische verschlingen.
Die Überwinterung erfolgt in tieferen Bereichen von Seen oder in speziellen tiefer angelegten Winterungsteichen der Teichwirtschaft, die nicht bis zum Grund durchgefrieren können.


Zucht und Zuchtformen

Die Länge beträgt bei Speisekarpfen meist circa 35 cm bei einem Gewicht von ungefähr einem Kilogramm.
In freien Gewässern erreichen sie in seltenen Fällen bis 110 cm.
Es wurden schon Exemplare mit 1,2 m und bis über 35 kg gefangen.
Der Körper ist seitlich abgeflacht; Zuchtformen wie der Aischgründer sind oft besonders hochrückig.
Der Karpfen hat eine Rückenflosse, eine schwach gegabelte Schwanzflosse, zwei kurze und zwei lange Barteln neben dem Maul.
Karpfen können mehr als 50 Jahre alt werden.
Sie werden aber in der Teichwirtschaft normalerweise nach zwei Jahren in wärmeren Gebieten bis drei Jahren als Speisefisch mit einem Gewicht um ein Kilogramm vermarktet.
Die Laichzeit liegt in Europa zwischen Mai und Juli. Die Paarung beziehungsweise der Laichvorgang erfolgt nur bei einer Temperatur von mehr als 17 °C, spontan bei Wassertemperaturen zwischen 18 und 20 °C in der Uferregion von Teichen oder ruhigen Flussabschnitten, vor allem Altwässern und überschwemmten Wiesen.
In der Teichwirtschaft wird das Laichen meist künstlich herbeigeführt (unter anderem durch Gabe von Hypophysenextrakt).

Von den Karpfen gibt es diverse Formen, die aber alle der Art Cyprinus carpio angehören:

Der Wildkarpfen ist die Urform, hat ein vollständiges Schuppenkleid und einen flachen spindelförmigen Körper.
Unregelmäßige Schuppenanordnung.
Der Wildkarpfen    ist auf die Rote Liste gefährdeter Arten gesetzt.
Der Schuppenkarpfen, mit vollständigem Schuppenkleid, ist hochrückiger als der Wildkarpfen.
Gleichmäßige Schuppenanordnung.
Der Kopf ist leicht abgesetzt.
Der größte je gefangene Karpfen war ein Schuppenkarpfen und wog 38,15 kg[3] und wurde in Deutschland gefangen.

Verschiedene Koi

Der Zeilkarpfen hat eine Reihe annähernd gleich große Schuppen.
Sie sind wie in einer Zeile entlang der Seitenlinie angeordnet.
Die restliche Körperfläche ist frei von Schuppen.
Der Spiegelkarpfen (Cyprinus carpio morpha noblis) ist eine in Europa weit verbreitete Zuchtform.
Sein Aussehen ist durch wenige, vergrößerte, metallisch glänzende Schuppen charakterisiert, die unregelmäßig an den Körperseiten verteilt sind.
Vom Kopf bis zum Schwanz verläuft am Rücken meist eine durchgehende Reihe von Schuppen, und auch der Schwanzstiel ist beschuppt.
Der Spiegelkarpfen ist meist sehr hochrückig und rund.
Es wurden schon Spiegelkarpfen bis zu 36 kg gefangen.
Der Lederkarpfen (Nacktkarpfen) hat keine oder nur ganz wenige verteilte Schuppen.
Die Koi sind bunte Zuchtformen aus Japan, die als Zierfische gehalten werden.
Koi ist das japanische Wort für Karpfen allgemein und bezeichnet dort nicht ausdrücklich die bunten Formen.
Von den Koi gibt es eine Vielzahl von Formen, die Schuppen-, Zeil- und Spiegelkarpfen in verschiedenen Färbungen und Farbmustern sowie eine besonders metallisch glänzende Schuppenvariante (Ginrin) umfassen.
Diese Koi tragen viele verschiedene japanische Typbezeichnungen.

Fortpflanzung

Bei Fischen bezeichnet man die Weibchen als Rogner und die Männchen als Milchner.
Zur Paarung treffen sich die Fische in flachen, wärmeren und pflanzenreichen Gewässerbereichen.
Das Männchen treibt das Weibchen im Laichspiel.
Es dient der Synchronisation der Laichbereitschaft.
Nach dem Treiben stößt das Männchen mit dem Maul mehrfach gegen die Flanke des Weibchens.
Dieses gibt daraufhin Eier ins Wasser ab.
Anschließend gibt das Männchen seinen Samen hinzu.
Es findet eine äußere Befruchtung im Wasser statt.
Das Weibchen legt, je nach Alter und Größe, rund 15 Millionen Eier ab.
Die befruchteten Eier haften sich an Pflanzen.
Nach dem Ablaichen schwimmen die Elternfische wieder in ihr ursprüngliches Gewässer zurück.
Es erfolgt keine Brutpflege.
Häufig wird bei solchen Paarungsspielen die Schleimhaut der Fische stark verletzt.
Nach der Laichzeit werden oft tote Fische angetrieben, die einer Pilzinfektion zum Opfer gefallen sind.

Die Eier enthalten Dotter zur Ernährung des Brütlings.
Zwischen dem dritten und achten Tag schlüpft er mit dem Kopf voran aus der Eihülle.
Die Fische sinken zu Boden, weil die Schwimmblase noch nicht mit einem Gasgemisch gefüllt ist.
Kurze Zeit nach dem Schlüpfen ernähren sie sich noch von dem Dottersack an ihrem Bauch, der allmählich aufgezehrt wird.
Dann beginnen sie, planktische Kleintiere aufzunehmen, zuerst die kleineren Rädertiere, mit dem Heranwachsen auch Kleinkrebse.
Nach dem Schlüpfen schwimmen sie auf schnellstem Wege zurück zu ihren normalen Lebensräumen.

Angeln auf Karpfen

Kapitaler Schuppenkarpfen

Der Karpfen ist sehr beliebt bei Anglern, da er ein starker Kämpfer ist, sehr groß wird und sich durch Boilies sehr selektiv beangeln lässt.
Das Karpfenangeln hat sich in der letzten Zeit zu einem bedeutendem Zweig der Angelfischerei entwickelt, dem viele vor allem jüngere Angler nachgehen.
Dabei gelten Fische (je nach Gewässer) von über 10 bis 15 Kilogramm als bemerkenswerter Fang.
Am 17. Dezember 2006 wurde durch den Fang eines 38,15 Kilogramm schweren Schuppenkarpfens an einem deutschen Baggersee ein neuer Weltrekord für diese Zuchtform aufgestellt, derselbe Fisch wurde im Juni 2007 mit dem unwesentlich höherem Gewicht von 38,45 Kilogramm nochmals gefangen.
Der Weltrekord für Spiegelkarpfen wurde im Jahr 2005 am Lac de Saint-Cassien aufgestellt, er liegt bei 37,65 Kilogramm.
Der neue Weltrekordkarpfen mit einem Gewicht von 42,64 Kilogramm[4] wurde im Januar 2010 zum wiederholten Mal am südfranzösischen Lac de Curton (Rainbow Lake[5]) in der Nähe von Bordeaux gefangen.

In der Karpfenangelei ist es verbreitet, den Fang wieder auszusetzen.
Dieses Catch and Release steht im Konflikt mit dem Tierschutzgesetz, da hier einem Wirbeltier ohne vernünftigen Grund Leiden zugefügt wird.
Offiziell dürfen Fische nur in Übereinstimmung mit dem Hegeziel (z. B. gefährdeter Bestand) und dem Tierschutzrecht zurückgesetzt werden.

Karpfenangeln gilt als nicht einfach, da es viel Ideenreichtum, Erfahrung und Gewässerkenntnis bedarf, um besonders kapitale Exemplare zu fangen.
Sind junge, hungrige Setzkarpfen im Frühjahr ab 8 °C Wassertemperatur relativ einfach zu fangen, so benötigt man für extrem scheue und vorsichtige Großkarpfen oft eine ganz andere Strategie.
Karpfenangeln beginnt mit der intensiven Beobachtung des Gewässers zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten auf Karpfenspuren, wie zum Beispiel Bläschenentwicklung durch gründelnde Karpfen am Gewässergrund oder zitternde Schilfhalme durch Berührungen mit Karpfen.
Besonders verdächtige Stellen sind Schilfkanten, Seerosenfelder, verkrautete Gewässerteile, Inseln, Landzungen, versunkene Bäume, überhängende Äste etc. Sandbänke, Plateaus, Muschelfelder und Scharkanten werden durch Ausloten (Lotblei oder Echolot) entdeckt.
Danach beginnt die mehrtägige Periode des Anfütterns (Boilies, Hartmais, Partikel, Tigernüsse, Kichererbsen, gequollener Weizen, etc.) zu einer bestimmten Tageszeit über mehrere Tage hinweg, um Karpfen an den Köder oder an den Platz zu gewöhnen.
Vor der Boilie-Ära wurden Karpfen mit Kartoffeln, speziell aromatisierten Teigen aus Paniermehl, Maismehl, Haferflocken etc., Dosenmais, Mist- oder Tauwürmern auf Grund- oder Posenangel gefangen.
Allerdings brachte Boilieangeln mit der unverdächtigen Haarmethode immer größere Karpfenfänge, selbst aus überfischten Gewässern.
Bei der Haarmethode ist der Köder durch ein „Haar“ (sehr feine Schnur) mit dem Haken verbunden, so dass ein übervorsichtiger Großkarpfen den unverdächtigen Köder und damit auch den Haken miteinsaugt.
Beim Gründeln und Durchwühlen des Gewässergrundes ignorieren größere Karpfen einen schwereren Köder mit Haken, der nicht mit hochgewirbelt wird.
Teilweise wurde auch schon in klaren Gewässern beobachtet, dass Karpfen versuchen den Köder vom Haken vorsichtig abzuzupfen.
In den warmen Sommermonaten stehen Karpfen regelmäßig an der Wasseroberfläche, meist unter überhängenden Ästen von Bäumen und können zum Beispiel mit Schwimmbrot überlistet werden.
Die scheuen Karpfen ziehen sich häufig in schwer zugängliche Gewässerabschnitte zurück, stark verkrautete Buchten, Seerosenfelder, versunkene Bäume oder überschwemmtes Unterholz, wo sie kaum noch zu fangen sind.
Gehakte Tiere versuchen sich mit aller Kraft in unzugängliche Zonen in Sicherheit zu bringen, wobei schwerere Tiere beachtliche Kräfte aufbringen können.



Gastronomie

Der Karpfen ist vor allem in Böhmen und dem angrenzenden österreichischen Waldviertel, besonders zu Weihnachten ein begehrter Speisefisch (Weihnachtskarpfen) - für manche Tschechen ist eine Weihnacht ohne Karpfenessen nach wie vor undenkbar.
Er wird in der Regel lebend verkauft, erst zu Hause geschlachtet und meist paniert (mit viel Zitrone) serviert.
Es sind aber auf den Speisekarten tschechischer Gasthäuser meist fünf bis zehn verschiedene Zubereitungen angeboten, zum Beispiel gekocht in Gewürzsud, gegrillt, scharf mit Paprikagemüse etc.

In Deutschland ist unter anderem in Franken eine Hochburg des Karpfens.
Die „Aischgründer Karpfen“ sind eine bekannte Spezialität der Gegend.
Hier wird der Karpfen einschließlich Kopf und Flossen längs in zwei Hälften gespalten, in Mehl gewendet und in schwimmendem Fett gebacken („Karpfen fränkisch“).
Dabei sind sogar die Flossen knusprig essbar.

In Schleswig-Holstein und der Lausitz ist gekochter Karpfen (Karpfen blau) ein beliebtes Gericht zu Silvester.

Ähnlich wie Muscheln isst man Karpfen in den Monaten mit, also von September bis April.
Zwar wäre die Verfügbarkeit außerhalb dieses Zeitraums heutzutage kein Hindernis mehr, dennoch wird diese Tradition größtenteils beibehalten.

In Deutschland und Österreich versucht man, den größten Nachteil des Karpfens, seinen enormen Reichtum an Zwischenmuskelgräten, mit besonderen Zubereitungsmethoden wie dem „Schröpfen“ genannten seitlichen Einschneiden zu umgehen.
Auch neuartige Vermarktungsformen ähnlich wie bei Fischstäbchen werden versucht.
Doch der Erfolg ist hierbei mäßig.

Der Geschmack des Fisches selbst ist auch unter Gourmets umstritten.
Manche nennen ihn strohig oder schlicht fade.
Andere schätzen dagegen sein „nussiges“ Aroma.
Geschmack und Konsistenz des Karpfens hängen aber stark von den Haltungsbedingungen und der verwendeten Zufütterung ab (Getreide, Mais, Soja, Pelletfutter). Wichtig ist neben der richtigen Zubereitung auch die Wasserqualität in den letzten Tagen vor dem Töten des Tieres.
Wird der Fisch direkt aus dem Ursprungsgewässer heraus zubereitet, schmeckt er oft strohig oder schlammig.
Der Fisch muss daher zuvor in frischem Wasser gehalten werden.
Das Entfernen der Kiemen wird auch empfohlen, da sich besonders in diesen Schlamm anlagert und so den Geschmack des Gerichtes negativ beeinflussen kann.

Berüchtigt ist eine verbreitete unangenehme schlammig-erdige Geschmacksbeeinträchtigung, das Mooseln oder Letteln, in Österreich auch Grundeln genannt.
Sie entsteht, wenn die Fische bestimmte Blaualgen aufnehmen, welche das so genannte Geosmin enthalten.
Es handelt sich dabei in der Regel um die Teichschwingalge Oscillatoria limnetica oder deren Gattungsverwandte, die bei Überdüngung der Teiche mit Phosphor flächig am Grund wachsen, wo die Karpfen typischerweise ihre Nahrung suchen.
Deshalb werden Karpfen meist etwa zwei Wochen ohne Zufütterung in frischem Wasser gehalten („ausgewässert“), damit sie diesen Beigeschmack möglichst verlieren.

 


Wildkarpfen (Cyprinus carpio morpha hungaricus)

 

Donaukarpfen

Stammform des Karpfens. „Schuppenkarpfen“ mit gestrecktem seitlich zusammengedrücktem Körper.

Endständiges, unbezahntes vorstülpbares Maul. 4 Bartfäden [Barteln(2 lange, 2 kürzere)] von denen die 2 größeren etwa am Mundwinkel, die zwei kleineren über der Oberlippe sitzen. In den Barteln scheint weniger der Tast - als der Geschmackssinn konzentriert zu sein. In drei Reihen angeordnete Schlundzähne. Relativ große Augen. Lange Rückenflosse mit eingekehltem Oberrand, die sich fast bis zum Schwanzansatz zieht.

Die stark eingeschnittene Schwanzflosse besteht nur aus Weichstrahlen.

Der jeweils längste Strahl der Rückenflosse und der kurzen Afterflosse ist hinten sägeartig gezackt.

Der dunkle Rücken schwankt in der Färbung zwischen graugrün und schwarzgrün, Bauch weiß bis goldgelb. Flossen graugrün mit bläulichem Ton, oft auch rötlich.

Länge: 35 bis 50cm; max. 1,2m bis 30 kg
Verbreitung:

In stehenden und langsam fließenden pflanzenreichen, nicht zu kalten Gewässern Europas mit Ausnahme der nördlichsten Teile. Stark gefährdet - wird heute durch zahlreiche Besatzprojekte in der Donau gefördert, bedingt durch seine Ansprüche an die Gewässertemperatur.
Laichzeit:

Mai bis Juli bei Wassertemperaturen zwischen 18 und 20 °C. Eier werden an Pflanzen abgelegt.


Der Wildkarpfen
Die Donau (Istros, Hister, Danuvius, Dunai, Dunarea, Dunav – von den Kelten bis zu den Bulgaren wechselt sie ihren Namen) ist nach der Wolga der längste Strom Europas. 2888 km fließt sie von der Quelle der Breg im Schwarzwald und der Brigach bei Donaueschingen bis zur Mündung ins Schwarze Meer. Kein anderer Strom verbindet so viele Völker, Kulturen und Weltreligionen. Die österreichische Donaulandschaft (obere Donau) – 350 km fließt sie durch Österreich, davon sind aber nur mehr ca. 70 km freie Fließstrecke – wird durch einen stetigen Wechsel von Engtälern und weiten flachen Beckenlagen geprägt. Bis zum Gefällsbruch bei Gönyü ist sie ein Gebirgsfluss. 2.412 km ihrer Länge sind, bei einer Gefällshöhe von 150 m, schiffbar. Durch die Enge Leopoldsberg-Bisamberg ergießt sich die Donau in das Schwemmland des Marchfelds, bis sie schließlich durch die Hainburger Pforte unser Staatsgebiet wieder verlässt.
Über viele Jahrzehnte hielt sich in den weiten Buhnenfeldern der Donau unterhalb Wiens und im Mündungsbereich der March und Thaya "Cyprinus carpio morpha hungaricus", der auch als Wildkarpfen bezeichnet wird.
Der Artname carpio stammt möglicherweise aus dem Alpengebiet und soll keltischen Ursprungs sein. Ob ein Zusammenhang mit dem griechischen Wort karpos (= Frucht) besteht, ist zweifelhaft. Unabhängig vom Wahrheitsgrad ist es auf jeden Fall eine schöne Deutung des wissenschaftlichen Namens Cyprinus carpio, den der schwedische Naturforscher LINNÉ (1707–1778) dem Karpfen gab, wenn er mit einer Göttin der Fruchtbarkeit und Schönheit in Verbindung gebracht wird. (Frei nach Fixher und Teichwirt 12/2003)
BALON kommt 1968 nach eingehendem Studium der Herkunft des Wildkarpfens zum Schluss, dass es sich hier um eine ursprüngliche Donauform handelt. Er unterscheidet sich von der Zuchtform des Schuppenkarpfen durch seine gestreckte walzenförmige Körperform mit rundlichem Querschnitt. Das beste erfassbare Unterscheidungsmerkmal ist das Verhältnis der Totallänge zur Körperhöhe (L:H). Dieser als Profilindex bezeichnete Wert liegt beim Wildkarpfen zwischen 4,2 und 4,5.
Der Wildkarpfen ist ein typischer Bewohner des Potamalbereichs – der Barben-Brachsenregion. Typisch für diesen Lebensraum ist ein stark verzweigter, mäandrierender Flussverlauf.
Zum Ablaichen benötigt er als Krautlaicher großflächige und dauerhaft überschwemmte Auwiesen. Angebundene Altarme mit hoher Nährstoffproduktion, die zumindest phasenweise Stillwassercharakter haben, sind die besten Vorraussetzungen zum Aufwuchs der Jungfische und sind als Futterplatz und auch als geschützte Wintereinstände geeignet.

Oft kann ein Flussabschnitt allein die unterschiedlichen Lebensraumansprüche nicht abdecken, sodass diese Fischart saisonale Wanderungen unternimmt. Dabei kann als bestätigt angenommen werden, dass diese Fische im Laufe ihres Lebens mehrere hundert Kilometer Fluss durchstreifen.
Der Wildkarpfen ist ein exzellenter Lebenskünstler. Er besitzt die Fähigkeit sich an seine Lebensbedingungen, wie selten ein anderer Fisch, anzupassen. Seine Genügsamkeit bei der Nahrungsaufnahme ist verblüffend. Die Hauptnahrung dieses Fisches besteht aus sämtlichen Wasserinsekten, Larven, Würmern, Zoo-Plankton, verschiedene Samen, Algen sowie Fischbrut.
Seine Nahrungsaufnahme erfolgt bis zu einer Wassertemperatur von 3° - 4° C. Der niedrige Sauerstoffverbrauch liegt weit unter dem des Hybridkarpfen und ist mit der Karausche vergleichbar. Durch sein dichtes, stabiles Schuppenkleid ist er weitläufig vor blutsaugenden Parasiten, wie z. B. Karpfenlaus und Fischegeln geschützt. Seine charakteristische Körperform (langer, schlanker Rumpf) ist sehr von seiner Nahrungsaufnahme abhängig. Wildkarpfen denen reichlichst Nahrung zur Verfügung steht, können von ihrer Idealkörperform etwas abweichen und leicht in die hochrückige Form übergehen. Beim Aussetzen in Naturgewässer bildet sich die Körperform innerhalb eines Jahres wieder in die charakteristische, schlanke Urform zurück.

Der Wildkarpfen laicht bei einer niedrigen Wassertemperatur in der Regel bei 14° bis 15°C das erste Mal ab. Sein Laichverhalten unterscheidet sich wesentlich vom gezüchteten hochrückigen Schuppen- oder Spiegelkarpfen. Er ist ein sogenannter Portionslaicher. Seine Eierabgabe erfolgt in kleinen Portionen von Mai bis August. Dadurch ist ein Überleben der Brut im weitesten Maße gesichert, auch wenn umweltbedingte Faktoren wie z. B. Kälteeinbruch oder Wasserschwankungen einige Ablaichvorgänge zu Nichte machen.
Seine Geschlechtsreife entwickelt sich meist im 3. Lebensjahr.
Das Gewicht der 3-jährigen Wildkarpfen beträgt unter normalen Umständen im Herbst 1,7 bis 2 kg.
Bei ausreichendem Nahrungsangebot steht der Wildkarpfen seinem Konkurrenten dem Hybridkarpfen hinsichtlich des Gewichtes nicht nach. Der mögliche Größenunterschied zwischen den beiden Karpfenarten besteht darin, dass der Wildkarpfen wesentlich aktiver in seiner Art und Lebensweise ist als der Hybrid und damit mehr Energie verbraucht. Wer einmal einen Wildkarpfen mit der Angel gefangen hat, bemerkt sofort den Unterschied.
Bei einer geplanten Wiedereinbürgerung von Wildkarpfen, hat die Praxis gezeigt, dass der Besatz von
1-jährigen Tieren bessere Erfolgsaussichten bringt.
Da die Wildkarpfen ihre Nahrung zum größten Teil aus dem Teichboden beziehen und im Verhältnis zum Hybridkarpfen eher scheue Tiere sind, ist der Verlust durch Kormorane und Fischreiher sehr gering.
Verschiedene Pilotprojekte zeigten, dass die Aufzucht von Wildkarpfen bei entsprechend qualifizierten Züchtern möglich ist.

Heute wird in unseren Donaurevieren jedes Jahr eine stattliche Anzahl von Wildkarpfen ausgebracht und auch in der Thaya im Waldviertel werden Projekte forciert. In der Fischereiverordnung 2002 des Bundeslandes NÖ wurde die Forderung, dem Wildkarpfen eine besondere Schonzeit (1. Mai bis 30. Juni) zuzuweisen, entsprochen.

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